50 Jahr DaF

1967 – 1976 – Sprechen lernen im Sprachlabor

BNS – eine kleine Revolution?
Deutschsprachkurs am GI in Murnau, 1970 - © GI München | Foto: Michael Friedel

BNS – eine kleine Revolution?

Das Lehrwerk kam quasi aus der Mitte des Goethe-Instituts (GI), die Autoren Braun, Nieder und Schmöe gehörten alle dem GI an. mehr lesen

Hier lauert der Dativ!
Kapitel 9 - Der Geburtstag aus Deutsch als Fremdsprache 1

Hier lauert der Dativ!

Ohne Dativ wird den Lernern in den meisten Lehrwerken nichts geschenkt. Daher nahmen die Dativformen einen erstaunlich großen Raum für sich ein. Das war bei Deutsch als Fremdsprache nicht anders, wie ein charakteristischer Lektionsauftakt in BNS deutlich zeigt.

Mario M.

Mario M. kann sich noch lebhaft an seinen Deutsch­un­ter­richt mit BNS erinnern.
Mario M. (zweiter von links) kam 1969 zusammen mit Kollegen aus seiner italie­nischen Heimat als „Gast­ar­bei­ter“ in Hamburg an: „Der Dativ war zu schwer für mich! Aber den Ge­burts­tag von meinem Sohn vergessen – giammai!

Das Lehrwerk mit innovativen Zusatzkomponenten

Das Lehrwerk mit innovativen Zusatzkomponenten

Von der bayerischen Peripherie aus begann der Siegeszug der Audiolingualen Methode in die DaF-Welt. Das Lehrwerk Deutsch als Fremdsprache ging nicht nur bei der Konzeption der Inhalte neue Wege, sondern auch in Bezug auf die Zusatzkomponenten. Diese waren für die damalige Zeit bemerkenswert vielfältig und förderten abwechslungsreiche Trainingsmöglichkeiten: Dia-Serien, Audio-Aufnahmen auf Schallplatten und Übungsbücher, die die Lösungen über eine innovative Rotfolie sichtbar machten. Ergänzend trugen viele regionalisierte Materialien den speziellen Anforderungen der Lernenden in fernen Ländern Rechnung.

Deutsch als Fremdsprache – der Grundbaustein

Das verstärkte Interesse an der deutschen Sprache mit dem Ziel, einer sozialen und insbesondere beruflichen Integration beförderte ein weiteres Thema: Zertifikate! Die Lernenden brauchten einen Nachweis z.B. für den Arbeitgeber, dass sie die Sprache auf einem ausreichenden Niveau beherrschen.

Der Deutsche Volkshochschulverband (DVV) entwickelt zusammen mit dem Goethe-Institut e. V. das Zertifikat Deutsch als Fremdsprache – nachdem bereits 1967 das erste Zertifikat für Englisch entwickelt wurde. 1972 wird, dank der ständig steigenden Nachfrage nach Sprachenzertifikaten, die Prüfungszentrale des Deutschen Volkshochschul-Verbandes e. V. als Abteilung der Pädagogischen Arbeitsstelle (PAS) des DVV gegründet.

Schon 1976 erschien die erste, sehr grundlegende Überarbeitung des Zertifikats. Eine gemeinsame Entwicklung von PAS/DVV und Goethe-Institut. Dabei wurde auch der „Grundbaustein“ als neue, leichtere Grundstufenprüfung – u.a. auch für ausländische Arbeitsnehmer – vorgelegt. Hier finden sich die sprachpragmatischen Aspekte der kommunikativen Methode wieder. Dadurch findet zudem eine grundlegende Fundierung des DaF-Unterrichts statt. Wichtig war in diesem Kontext, dass die Volkshochschulen (z.B. in Nordrhein-Westfalen) stark ausgebaut wurden, eine Struktur von hauptamtlichen Mitarbeitern erhielten und viele junge neue Dozenten einstellten.

BNS – eine kleine Revolution?

Wie in allen Fremdsprachen war auch im Bereich Deutsch seit den 50er-Jahren die Grammatik-Übersetzungsmethode Standard. Der Konzeption ihres 1967 erschienenen Lehrwerks Deutsch als Fremdsprache legten die Autoren Korbinian Braun, Lorenz Nieder und Friedrich Schmöe neueste Erkenntnisse der Sprachforschung zugrunde. Die Audiolinguale Methode mit dem Schwerpunkt auf Hören und Sprechen und dem Einüben von Sprachmustern wurde ein Alleinstellungsmerkmal.
In dem 1993 im Langenscheidt Verlag erschienenen „Methoden des fremdsprachlichen Unterrichts“ (Neuner/Hunfeld, S.47) wird „BNS“ als der Hauptvertreter der Audiolingualen Methode vorgestellt.

Das Lehrwerk kam quasi aus der Mitte des Goethe-Instituts (GI), die Autoren Braun, Nieder und Schmöe gehörten alle dem GI an. Die ersten Kurse mit BNS, das zum Synonym für das Lehrwerk Deutsch als Fremdsprache wurde, fanden an Goethe-Instituten in Bayern statt. Meist verbunden mit der Einführung eines Sprachlabors oder elektronischen Klassenzimmers, damals sprach man gerne abkürzend von den „E-Zimmern“. Das machte durch den Einsatz von Tonbandaufnahmen den sogenannten „Vier-Phasen-Drill“ möglich: Hören (Stimulus) – Nachsprechen (Respons) – Korrektur (Stimulus) – Wiederholung der Korrektur (Respons).
Deutschsprachkurs am GI in Murnau, 1970
© GI München | Foto: Michael Friedel

Hier lauert der Dativ!

Ohne Dativ wird den Lernern in den meisten Lehrwerken nichts geschenkt. Daher nahmen die Dativformen einen erstaunlich großen Raum für sich ein. Das war bei Deutsch als Fremdsprache nicht anders, wie ein charakteristischer Lektionsauftakt in BNS deutlich zeigt.
Kapitel 9 - Der Geburtstag aus Deutsch als Fremdsprache 1
Mario M. kann sich noch lebhaft an seinen Deutschunterricht mit BNS erinnern.
Mario M. (zweiter von links) kam 1969 zusammen mit Kollegen aus seiner italienischen Heimat als „Gastarbeiter“ in Hamburg an: „Der Dativ war zu schwer für mich! Aber den Geburtstag von meinem Sohn vergessen – giammai!“

Das Lehrwerk mit innovativen Zusatzkomponenten

Von der bayerischen Peripherie aus begann der Siegeszug der Audiolingualen Methode in die DaF-Welt. Das Lehrwerk ging nicht nur bei der Konzeption der Inhalte neue Wege, sondern auch in Bezug auf die Zusatzkomponenten. Diese waren für die damalige Zeit bemerkenswert vielfältig und förderten abwechslungsreiche Trainingsmöglichkeiten: Dia-Serien, Audio-Aufnahmen auf Schallplatten und Übungsbücher, die die Lösungen über eine innovative Rotfolie sichtbar machten. Ergänzend trugen viele regionalisierte Materialien den speziellen Anforderungen der Lernenden in fernen Ländern Rechnung.

Die Grammatik-Übersetzungsmethode

Die Grammatik-Übersetzungsmethode ist möglicherweise das älteste Modell eines organisierten Fremdsprachenunterrichts, erklärt Louis G. Kelly in seinem Buch „25 Centuries of Language Learning“. Besonderer Beliebtheit erfreute sie sich im deutschen Sprachraum in mittelalterlichen Klosterschulen und neuzeitlichen Gymnasien, besonders im Lateinunterricht. Die beiden Kernfelder des Unterrichts sind – wie der Name bereits sagt – die Lehre der Grammatik und das Einüben durch Übersetzungen. Die Lernenden müssen grammatische Regeln abstrahierend auswendig lernen und diese durch Übersetzungen und Lückentexte festigen. Die Unterrichtseinheiten werden um grammatische Themengebiete herum organisiert. Ist die grundsätzliche Grammatik verinnerlicht, werden Texte von der Zielsprache in die Muttersprache übersetzt. Leseverständnis ist das Hauptziel dieses Unterrichts und die Schriftsprache die Messlatte der Sprachkompetenz. Besonders sogenannte „tote“ Sprachen wie Latein werden auch heute noch auf diese Weise unterrichtet.
(Quelle http://erwachsenenbildung.at/Download 18.01.2017)

Die Audiolinguale Methode

Die Audiolinguale Methode stützt sich auf ein behavioristisches LernerInnenkonzept. Lernen wird als das Einüben von Mustern gesehen. Lernende werden in Sprachlaboren mit gesprochenen Phrasen der Zielsprache konfrontiert und müssen diese laut wiederholen oder ergänzen. Das Ziel ist, dass die Lernenden dadurch „Sprechgewohnheiten“ oder „Sprachreflexe“ ausbilden. Vorbild dafür waren Untersuchungen zu kindlicher Sprachentwicklung. Die Audiolinguale Methode ist eine Antwort auf die Grammatik-Übersetzungsmethode: Der Fokus liegt nicht mehr auf Texten und der elitären Schriftsprache, sondern auf der gesprochenen Sprache in Alltagssituationen. Die Lernenden üben Bausteine der Fremdsprache ein und sollen dadurch in der Lage sein, diese selbstständig zu neuen Sätzen zu verknüpfen. Die Audiolinguale Methode ist besonders im Aussprachetraining nützlich und unterstützt das Hörverständnis.
(Quelle http://erwachsenenbildung.at/Download 18.01.2017)